Die erfolgreiche Produktionsverlagerung von Pinerolo nach Bursa zeigt, wie strategische Neuausrichtung und operative Exzellenz Hand in Hand gehen. Und wie Freudenberg Sealing Technologies seinen Kunden Stihl von jetzt an aus der Türkei heraus beliefert.
Motorgeräte für Forstwirtschaft und Garten; für Profis und Heimwerker, die in Natur und Flur professionell anpacken wollen. Beim sogenannten „Outdoor Power Equipment“ steht die Marke Stihl für Top-Qualität, hohe Leistungskraft und Verlässlichkeit – ob bei Kettensägen, Laubbläsern, Heckenscheren, Gehölzschneidern oder Rasenmähern.
Dazu trägt auch Dichtungstechnik von Freudenberg Sealing Technologies (FST) bei. Seit Jahrzehnten arbeiten FST und das schwäbische Traditionsunternehmen eng zusammen. Zig-millionenfach dichten Simmerringe von FST die Kurbelwelle in Zweitaktmotoren von Stihl-Geräten zuverlässig ab.
Nahezu alle diese Simmerringe fertigt FST seit vielen Jahren am italienischen Standort Pinerolo. Von dort aus machen sie sich – via Zentrallager in Bischofsheim – auf die Reise in die Stihl-Werke in aller Welt. „Wir haben in Pinerolo 25 Teilenummern, also 25 verschiedene Simmerringe, für Stihl gefertigt und nun ein Jahresvolumen von zirka 20 Millionen Stück verlagert – ohne Bandstillstand beim Kunden“, berichtet Melanie Weigold, Global Product Marketing Weinheim, Lead Center Simmerring® Industry.
Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung von FST wird sich der Standort Pinerolo auf Anwendungen für die Elektromobilität konzentrieren und gleichzeitig seine starke Marktposition bei traditionellen Produkten, insbesondere Ventilschaftdichtungen, weiter ausbauen und festigen.
Auch der türkische FST-Standort weiß sehr gut mit Großserien umzugehen, wie sie vor allem in der Automobilindustrie gefragt sind – und auch von Kunden wie Stihl.
„Wir haben einen guten Draht zu Stihl, reden offen miteinander, arbeiten partnerschaftlich zusammen. Dieses Vertrauensverhältnis half enorm, um Stihl von der Verlagerung zu überzeugen“, erklärt Matthias Kauffmann, der als Global Key Account Manager, General Industry, Power Tools von München aus den Kunden betreut. Überzeugen konnte FST vor allem mit den Argumenten Qualität und Versorgungssicherheit.
Maschinen und Werkzeuge wurden eins zu eins von Pinerolo nach Bursa umgezogen. Auch die Materialmischungen sind unverändert geblieben und stammen nach wie vor aus Weinheim. Die positiven Effekte dieser hohen Kontinuität sowie des in FST gesetzten Vertrauens: Stihl hat sich nicht nur die Investition in neue Werkzeuge gespart; das Unternehmen konnte auch seinen Freigabeprozess auf ein Minimum reduzieren. Anders ausgedrückt: Stihl musste keine zeit- und kostenintensiven Maschinentests für jedes einzelne Bauteil fahren. Der Kunde konnte sich stattdessen auf das Nachmessen der in Bursa gefertigten – und von FST bereits kontrollierten – Musterteile beschränken. Auch in puncto Logistik bleibt alles beim Alten: Der Versand läuft wie bisher über das europäische Zentrallager in Bischofsheim.
Ein weiterer Pluspunkt: Der Umzug war durchdacht durchgeplant. Vor allem musste die Versorgung des Kunden mit Teilen durchgängig gesichert sein. Daher hat FST schon seit vergangenem Sommer in Pinerolo Sicherheitsbestände für Stihl aufgebaut. Darüber hinaus ist FST bei den in Millionenstückzahlen produzierten „Highrunnern“ zweigleisig gefahren. Sinnbildlich wie bei einer Operation am offenen Herzen wurde die Produktion nie komplett heruntergefahren: Die Produktion in Pinerolo wird erst vollständig gestoppt und die Pressen werden erst dann abgebaut, wenn ihre Pendants in Bursa schon wieder sicher in der Serienproduktion laufen.
Das Gros des Gesamtprojekts ist inzwischen bereits geschafft, bis Sommer sollen auch die letzten Ersatzwerkzeuge freigegeben sein. Kauffmann bezeichnet die Verlagerung schon jetzt als eine Erfolgsgeschichte, die die Beziehungen zum Kunden Stihl weiter gestärkt hat.

Das Projektteam
„Der Umzug ist eine Meisterleistung aller Beteiligten“, lobt Matthias Kauffmann. Federführend dazu beigetragen haben Melih Ciftci, Leiter Technology and Engineering Manager, und Emre Aklar, Projektleiter Process Engineering, beide Bursa, zusammen mit Melanie Weigold aus dem Produktmarketing und Thorsten Wieland aus der Produktentwicklung in Weinheim. Die Kollegen aus Italien sorgten durch zahlreiche Schulungen, den Austausch bewährter Verfahren und wichtige Vor-Ort-Beratung für einen effektiven Wissenstransfer. Besondere Anerkennung gebührt Marco Genero, Partner Production Manager, und Diego Rostagno, Supply Chain Manager, die eine Schlüsselrolle spielten. „Projektmanagement ist Teamarbeit, und die gesamten Teams an allen FST-Standorten haben maßgeblich zum Erfolg des Projekts beigetragen“, sagt Ciftci.




