Das Lead Center Diaphragms fertigt in Reichelsheim eine breite Palette an Membranen für unterschiedliche Anwendungen und Branchen. Dabei geht es auch um Vielseitigkeit, Teamarbeit und strategisches Wachstum. Von massiven Industriekomponenten bis hin zu präzisen Mikroteilen – die jüngsten Erfolge des Standorts unterstreichen sowohl das technische Know-how als auch den Teamgeist.
So etwas erlebt man nicht alle Tage. Fünf Tonnen – so schwer wie fünf Kleinwagen – wiegt das nagelneue Werkzeug, das dieser Tage am Standort Reichelsheim eingetroffen ist. Um es in eine der beiden 1.000-Tonnen-Pressen des Lead Centers Diaphragms einzubauen, reicht Muskelkraft alleine nicht aus, bei Weitem nicht. Es braucht einen Kran, um die Traglast zu stemmen.
Um was genau geht es? Mit dem Fünf-Tonnen-Werkzeug werden Membrane gefertigt, die im Bergbau zum Einsatz kommen, genau gesagt in 150-Liter-Pulsationsdämpfern von Schlammpumpen. Wo Gold, Silber, Kohle, Erze, Blei oder Salz abgebaut wird, braucht es kraftvolle Schlammpumpen. Diese äußerst robusten Maschinen fördern im Untertage- oder Tagebau mit hoher Leistung die mit Wasser vermischten Güter. Wie herausfordernd anspruchsvoll sich diese Transporte darstellen, lässt sich angesichts der unwirtlichen Umgebungsbedingungen und abrasiven Medien leicht vorstellen.
„Einem großen Hersteller von Schlammpumpen in den Niederlanden liefern wir schon seit vielen Jahren klassische Pumpmembranen“, erklärt Daniel Uhl, Leiter Produktmanagement Lead Center Diaphragms. Die messen rund einen Meter im Durchmesser für große Hübe. Neu dazugekommen sind jetzt zusätzlich die Membranen für den Pulsationsdämpfer derselben Pumpen. Wie Akkumulatoren im XXXL-Format verstetigen Pulsationsdämpfer die Fördermenge der Pumpe.
Eine interdisziplinäre Teamleistung
„Wir haben das Werkzeug für die neue Dämpfermembrane mit seiner komplexen Geometrie in Reichelsheim konstruiert. Gebaut hat es schließlich ein externer Partner, der auf solche großen Dimensionen spezialisiert ist“, erläutert der zuständige Produktentwickler Matthias Meerwein. Produktmanagerin Anna Bäcker ergänzt: „Dieses Projekt ist eine mustergültige interdisziplinäre Teamleistung, in die Werkzeugkonstruktion, Prozesstechnik, Produktentwicklung und Produktmanagement unseres Lead Centers ihre Stärken und Kompetenzen eingebracht haben.“

Die Dämpfermembrane hatte bisher ein Wettbewerber aus den USA geliefert. Das Lead Center Diaphragms konnte den Kunden jetzt von einem Lieferantenwechsel überzeugen: mit technischem Know-how und Erfahrung, gepaart mit einer hohen Verlässlichkeit bei Lieferfähigkeit und -treue. Ein Riesenerfolg mit einem Riesenteil, erzeugt mit einem massiven Transfer-Molding-Werkzeug, auf einer Mega-Presse mit einer enormen Presskraft von 1.000 Tonnen.
Neben der technischen Expertise war es auch die herausragende Arbeit des Vertriebsteams, die einen entscheidenden Unterschied machte. „In intensiven Verhandlungen und kreativen Lösungsfindungsprozessen gelang es uns, die unterschiedlichen Anforderungen des Kunden und die Möglichkeiten unserer Fertigung in Einklang zu bringen“, berichtet Frank Weiß, verantwortlicher Key Account Manager im Vertrieb.
Mit Hartnäckigkeit, Verhandlungsgeschick und einem klaren Verständnis für beide Seiten agierte der Vertrieb als Schnittstelle zwischen Kunde und Produktion. Durch kluge Kompromisse und transparente Kommunikation ließ sich so das Vertrauen des Kunden und damit der Auftrag gewinnen– ein Paradebeispiel für partnerschaftliche Zusammenarbeit und strategische Stärke.
Alle am Projekt Beteiligten sind laut Weiß auch darauf stolz, das in allen Belangen – nicht nur in Bezug auf die Gewichte und Abmaße – große Projekt mit dem Kunden realisieren zu können. Freudenberg Sealing Technologies nimmt mit diesem Artikel im Membrangeschäft fast die Rolle des Alleinlieferanten beim Kunden ein. Strategisch gesehen verspricht das langfristig eine zusätzlich gute Auslastung für die entsprechende Maschinengruppe der 1.000-Tonnen-Pressen in der Fertigung in Reichelsheim.
Diversifizierung auf engstem Raum
Übrigens ist das „Makro“ ist nur die eine Seite der Medaille, „Mikro“ heißt die andere. Denn die Erfolgsformel des Lead Centers Diaphragms in Reichelsheim lautet Vielfalt. Direkt nebeneinander, Seite an Seite, Rücken an Rücken produzieren die Werkerinnen und Werker pure Diversität – in puncto Teilegrößen von XXXS bis XXXL, in puncto Stückzahlen von wenigen Hundert bis vielen Hunderttausend im Jahr sowie in puncto Branchen und Märkten in aller Welt.
Nur wenige Meter neben der 150-Liter-Pulsationsdämpfer-Membrane werden beispielsweise neun Millimeter kleine Membranen für filigrane Nadeldosierventile gefertigt. Diese spritzen mit hohem Druck die Harnstofflösung AdBlue in den Abgasstrang von Lkw und Bussen mit Dieselmotoren. Dieser Prozess heißt Selektive Katalytische Reduktion (SCR) und dient dazu, den Ausstoß von umweltschädlichen Stickoxiden zu reduzieren. „Die Membrane für AdBlue-Nadeldosierventile produzieren wir in Reichelsheim schon lange, und zwar viele Hunderttausend Stück pro Jahr“, berichtet Uhl. Kurzum: Große Stückzahlen bei kleinen Bauteilen, in höchster Präzision mit engen Toleranzen.
Wenige Millimeter kleine Membranen im Miniaturformat aus Reichelsheim kommen zum Beispiel auch in medizintechnischen Geräten und Laboren zum Einsatz, wo sie auf den Milliliter genau Flüssigkeiten oder Narkosegase akkurat dosieren.
Bei aller Diversifizierung: So manches haben alle Membranen „made in Reichelsheim“ gemeinsam: Zum Beispiel ihr kundenindividuelles Design, ihre Verlässlichkeit in der Anwendung und Qualität in der Fertigung.