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Versorgungssicherheit hat oberste Priorität

  • 21. Juli 2026
  • 4 min Lesezeit


Beim geplanten Neubau des Rohmischwerks in Weinheim überlässt Freudenberg Sealing Technologies (FST) in puncto Sicherheit nichts dem Zufall. Die Vorkehrungen gegen Brände und Hochwasser sind ausgeklügelt, bis ins kleinste Detail durchgeplant und gecheckt. Selbst im Falle eines Falles kann die Werkstoffproduktion, also die Versorgung der FST-Standorte mit Gummi- und Silikonmischungen, weiterlaufen.

Mehr als die Hälfte der Materialmischungen, die die FST-Standorte in aller Welt verarbeiten, kommt aus Weinheim; das Rohmischwerk am Unternehmenssitz ist das führende Werkstoff-Kompetenzzentrum der Geschäftsgruppe. Deshalb ist es so enorm wichtig, dass Kneter, Walzwerke und Co. nicht durch unvorhergesehene Ereignisse wie Brände oder Hochwasser zu Schaden kommen. Das neu geplante Rohmischwerk, dessen Bau in diesem Spätsommer starten soll, trägt dieser Anforderung Rechnung. Die Schutzvorkehrungen sind vielfältig, sorgsam und gewissenhaft durchdacht.

„Unser Sicherheitskonzept hat drei Dimensionen: Erstens achten wir darauf, dass nach menschlichem Ermessen nichts passieren kann. Zweitens: Falls sich doch etwas ereignet, darf dieser Vorfall nur minimale Schäden verursachen. Drittens sind wir dafür gewappnet, mögliche Schäden schnellstmöglich wieder zu beheben“, beschreibt Christian Pfeifer, Manager Fabrikplanung, die grundsätzliche Herangehensweise.

Minilöschanlagen ersticken Brände im Keim

Brände entstehen meistens durch elektronische Defekte, oft in Schaltschränken. Auf ihnen liegt im Brandschutz daher ein besonderes Augenmerk. FST setzt hierbei im neuen Rohmischwerk auf sogenannte Automatische Miniatur-Feuerlösch-Einheiten, kurz AMFE. Selbstauslösend löschen sie Entstehungsbrände in Sekundenschnelle – nicht mit Wasser, sondern mit rückstandsfreiem ungiftigem Gas, das die elektronischen Komponenten im Schaltschrank nicht beschädigt.

Bei seinen AMFE begnügt sich FST allerdings nicht mit dem Standard, sondern hat die Anlagen in Eigenregie weiterentwickelt. Zusätzlich zum herkömmlichen mechanischen Sprinklerkopf sind die FST-Geräte mit sensibler Mess- und Brandmeldetechnik ausgestattet. Feinfühlig erkennt die Elektronik Rauch und steigende Temperaturen deutlich früher als ihr mechanisches Pendant – und setzt umgehend das Löschgas frei. „Wir löschen einen Brand schon, bevor er richtig brennt“, verdeutlicht Pfeifer. Über die Brandmeldeanlage des Freudenberg-Werk-/Brandschutzes wird gleichzeitig automatisch die Werkfeuerwehr alarmiert, die sofort ausrücken kann.

Kleine autarke Abschnitte

Sollte es trotz solcher Vorkehrungen zu einem Brand kommen, ist es wichtig, ihn räumlich zu begrenzen. Dies geschieht mittels Brandwänden. Das neue Mischwerk erhält vier davon, drei mehr als es der Gesetzgeber vorschreibt. Das angrenzende Lager wird durch eine weitere Brandwand durchzogen.

Im Produktionsgebäude sind unter anderem Bürotrakt, Technikum, Entwicklung und Sozialräume durch eine Brandwand abgetrennt. Das erhöht insbesondere die Sicherheit der hier beschäftigten Mitarbeitenden. Es gibt kurze Wege ins Freie. Bei Dunkelheit weist die batteriegestützte Notbeleuchtung den Weg.

Aus fertigungstechnischer Sicht von Bedeutung: Baugleiche „Schwesterlinien“ befinden sich künftig jeweils in voneinander getrennten Brandabschnitten. Würde eine Mischlinie ausfallen, könnte die andere weiterhin produzieren.

Eine solche Kontinuität stellt auch die ausgeklügelte Energie- und Medienversorgung aller Anlagen sicher. Strom-, Kühlwasser- oder Druckluftleitungen führen niemals durch andere Brandabschnitte. Sie werden nicht zentral an einer Stelle ins Gebäude geführt, sondern dezentral jeweils von außen direkt in die einzelnen Brandabschnitte. „Somit kann ein Brand an einer Stelle nicht alles andere lahmlegen. Brennt es in Brandabschnitt A sind dadurch die Leitungen für den Betrieb der Anlage in Brandabschnitt B nicht betroffen“, veranschaulicht Pfeifer.

Das Zauberwort heißt Redundanz

Vier baugleiche Trafos, neun übers Dach verteilte, komplett separat laufende Lüftungsanlagen, redundante Förderaufzüge und -anlagen für Füllstoffe in verschiedenen Gebäudeteilen – dies alles sind Beispiele, die zeigen, wie stark das neue Rohmischwerk mit Auffangnetz und doppeltem Boden agiert. Beispielsweise wird auch eine Sprinkleranlage installiert, obwohl sie die maßgebliche Industriebaurichtlinie angesichts der zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen gar nicht fordert – sozusagen als Hosengürtel zusätzlich zum Hosenträger.

Redundanz lautet auch das Zauberwort in der IT. „Auf den IT-Servern liegt unser Know-how, unsere Rezepturen, unsere Prozessanweisungen, die Steuerung unserer Anlagen. Auch hier gehen wir auf Nummer sicher“, sagt Pfeifer. Im neuen Rohmischwerk werden zwei räumlich getrennte Server betrieben, die zum permanenten Datenabgleich miteinander verbunden sind. Von jedem der beiden Server führen jeweils unabhängige Glasfaserkabel zu jedem einzelnen Endgerät. Das heißt: An jedem Rechner, an jeder Anlagensteuerung kommen stets zwei Datenleitungen an – eine von jedem Server. Fällt ein Server aus, kann in der Fertigung, im Technikum und in Büros also trotzdem problemlos weitergearbeitet werden.

Wie eine Warft im Wattenmeer

An der Nordseeküste dienen aufgeschüttete Warften dazu, die Bewohner in ihren Häusern vor Sturmfluten zu schützen. Sturmfluten sind in Weinheim nicht zu erwarten, doch durchqueren zwei Kanäle des Flüsschens Weschnitz den Industriepark. „Wir haben die hundertjährigen Hochwasserkarten studiert und festgestellt: Nach menschlichem Ermessen endet das Hochwasserrisiko bereits vor unserem Baugrundstück“, berichtet Pfeifer. Dennoch werden sowohl Rohmischwerk als auch das Lager 30 Zentimeter oberhalb des umliegenden Geländes errichtet – wie Warften vor der Nordseeküste.

Sollte wider Erwarten doch einmal Hochwasser ins Gebäude eindringen, ist auch dafür bautechnisch vorgesorgt. Wie bei einem Trichter würde das Wasser in einem sogenannten Pumpensumpf zusammenlaufen und könnte von dort abgepumpt werden, lange bevor es die auf Fundamenten stehenden Anlagen beschädigen könnte. Ein Stromausfall wäre dann übrigens auch kein Problem: „Mit einem dieselbetriebenen Notstromdieselaggregat könnten wir uns selbst helfen und tagelang durchhalten“, so Pfeifer. Dass Schalträume in den neuen Gebäuden auf unterschiedliche Abschnitte und Geschosse verteilt sind, kommt neben dem Brand- auch dem Hochwasserschutz zugute.

Schnell produktionsfähig

Und was wäre, wenn es trotz allem zu einem Maschinenschaden kommen würde? „Dann reparieren wir das selbst. Wir haben eine komplette Linie als Ersatzteillager vorrätig. Innerhalb weniger Tage wären wir wieder produktionsfähig, ohne auf Bestellungen warten zu müssen und ohne unmittelbar auf die Maschinenhersteller angewiesen zu sein“, weiß Pfeifer um das Know-how der Mitarbeitenden im Rohmischwerk.

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