Die sechs Leitsätze der Freudenberg-Gruppe lesen sich gut. Ihre eigentliche Kraft entfalten sie aber erst dort, wo Menschen sie täglich umsetzen – manchmal bewusst, oft selbstverständlich. Die folgenden Geschichten zeigen, wie Werte in ganz unterschiedlichen Positionen, Aufgaben und Situationen sichtbar werden – in der Produktion und im Büro, in der Entwicklung und am Kunden, in der Schichtführung und im langen beruflichen Weg.
Die Geschichten zeigen, wie sich die Leitsätze anfühlen, wenn sie gelebt werden.
1 · Menschen
Wenn die Schicht zur zweiten Familie wird
Niemand kommt zur Arbeit, um allein zu sein. Aber manchmal merkt man erst, wie eng man zusammengewachsen ist, wenn es schwierig wird.
Als bei Linda M. zu Hause die Pflege ihrer Mutter plötzlich dringlich wurde, sprach sie es in der Frühschicht offen an. Ihr Vorarbeiter und das Team organisierten innerhalb von zwei Tagen, dass sie für sechs Wochen in einer angepassten Schichtfolge arbeiten konnte. Drei Kolleginnen und Kollegen übernahmen Teile ihrer Aufgaben — ohne formellen Antrag, ohne Zögern.
„Ich wusste gar nicht, dass das so unkompliziert geht. Aber meine Schicht ist eben mehr als ein Team.“
— Linda M., Produktionsmitarbeiterin
→ Hier zeigt sich der Leitsatz Menschen im Alltag: Das Wohlergehen der Mitarbeitenden ist keine Aussage in einer Broschüre, sondern eine selbstverständliche Haltung im Team.
Der Leitsatz „Menschen“ wird hier sichtbar als: Solidarität
2 · Führung
Vertrauen heißt: nicht jedes Detail prüfen müssen
Eine neue Anlage, eine erfahrene Schicht — und eine Führungskraft, die loslassen kann.
Als Marek K. die Verantwortung für die Inbetriebnahme einer neuen Fertigungslinie übernahm, war sein erster Impuls, jeden Schritt selbst zu prüfen. Sein Bereichsleiter sagte ihm:
„Du hast das Team, das das kann. Lass sie machen. Ich bin da, wenn du mich brauchst — aber nicht, um dir auf die Finger zu schauen.“
Drei Wochen später lief die Linie stabiler an als geplant. Im Rückblick sagt Marek, dass er gelernt hat: Vertrauen ist keine Geste, sondern eine Arbeitsweise.
— Marek K., Schichtführer
→ Hier zeigt sich der Leitsatz Führung im Alltag: Vertrauen ist keine Geste, sondern eine Arbeitsweise. Im Grunde nichts anderes als das, was Carl Johann Freudenberg schon vor über 150 Jahren formulierte:
„Lieber hundertmal vertrauen auf die Gefahr hin, daß man auch einmal reinfällt, das ist besser, als einmal zu Unrecht mißtrauen.“
— Carl Johann Freudenberg
Der Leitsatz „Führung“ wird hier sichtbar als: Vertrauen
3 · Langfristige Orientierung
38 Jahre, sieben Rollen, ein Unternehmen
Karrieren sehen heute oft aus wie ein Wechsel im Drei-Jahres-Takt. Anita S. erzählt eine andere Geschichte.
Sie begann 1987 als technische Zeichnerin, wechselte in die Qualitätssicherung, später ins Prozessmanagement, übernahm eine Teamleitung, ging für drei Jahre in eine Auslandsentsendung, kam zurück in eine Stabsstelle und ist heute interne Beraterin für Werksanläufe.
„Ich bin nie weg gewesen, weil mir immer wieder etwas Neues angeboten wurde. Nicht als Beförderung — sondern als nächste Aufgabe, die zu mir passt. Das ist selten geworden.“
— Anita S., Senior Advisor
→ Hier zeigt sich der Leitsatz Langfristige Orientierung im Alltag: Beziehungen — auch zu Mitarbeitenden — entstehen über Jahrzehnte, nicht über Quartale.
Der Leitsatz „Langfristige Orientierung“ wird hier sichtbar als: Treue
4 · Innovation
Eine Idee, die zweimal scheiterte — und beim dritten Mal funktionierte
Innovation klingt nach Aha-Momenten. In der Realität klingt sie eher nach: „Versuchen wir’s nochmal anders.“
Das Team um Hiroshi T. arbeitete fast zwei Jahre an einer neuen Materialkombination für eine spezielle Dichtungsanwendung. Zwei Prototypen-Generationen scheiterten in den Belastungstests. Die dritte Variante — entstanden aus einer Diskussion in der Kaffeeküche zwischen Entwicklung und Anwendungstechnik — bestand alle Prüfungen.
„Was uns über die ersten zwei Fehlschläge getragen hat, war nicht Ehrgeiz. Es war die Erwartung, dass es okay ist, Zeit zu investieren, ohne sofort ein Ergebnis vorzulegen.“
— Hiroshi T., Entwicklungsingenieur
→ Hier zeigt sich der Leitsatz Innovation im Alltag: Neues entsteht, wenn man die Geduld hat, mehrere Anläufe zu nehmen — und das Vertrauen, dass dafür Raum gegeben wird.
Der Leitsatz „Innovation“ wird hier sichtbar als: Beharrlichkeit
5 · Kundennähe
Drei Stunden zuhören, bevor die erste Folie kommt
Manchmal ist die wichtigste Vorbereitung auf einen Kundentermin keine PowerPoint.
Als Sofia R. zum ersten Mal einen neuen Kunden besuchte, brachte sie keine Präsentation mit — sondern einen Notizblock. Drei Stunden lang lief sie mit dem Produktionsleiter durch die Anlage, fragte nach, hörte zu, schrieb mit. Die Lösung, die ihr Team zwei Wochen später vorschlug, war kleiner als geplant und günstiger als angekündigt — aber sie passte genau auf das Problem.
„Ich habe nicht versucht, etwas zu verkaufen. Ich wollte verstehen, was sie wirklich brauchen. Den Rest macht dann das Team.“
— Sofia R., Anwendungstechnikerin
→ Hier zeigt sich der Leitsatz Kundennähe im Alltag: Nicht das Produkt zuerst, sondern der Mensch und die Anwendung.
Der Leitsatz „Kundennähe“ wird hier sichtbar als: Zuhören
6 · Verantwortung
Eine Beinaheunfall-Meldung, die niemand schreiben musste — und die alles veränderte
Verantwortung beginnt nicht bei großen Programmen. Sie beginnt bei der Frage: Sage ich es, oder lasse ich es?
David O. arbeitete an einer Verpackungslinie, als ihm auffiel, dass ein Sicherheitssensor unter bestimmten Bedingungen verzögert reagierte. Es war kein Unfall passiert. Niemand hätte die Meldung erwartet. Er schrieb sie trotzdem — drei Sätze, am Ende der Schicht. Zwei Tage später war der Sensor getauscht, eine Woche später lief eine Prüfung an allen baugleichen Anlagen.
„Mir war wichtig, dass nicht erst etwas passieren muss. Dafür ist die Meldung da.“
— David O., Anlagenführer
→ Hier zeigt sich der Leitsatz Verantwortung im Alltag: für sich, für andere, für das, was kommen könnte. Auch wenn niemand zuschaut.
Der Leitsatz „Verantwortung“ wird hier sichtbar als: Hinsehen
Hinweis: Die obigen Geschichten sind exemplarisch zu verstehen und frei erfunden.