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Neue EU-Regelung gegen Waldrodung: Start verschoben – Arbeit läuft weiter

  • 18. Dezember 2025
  • 3 min Lesezeit


Zukünftig dürfen nur noch Produkte in den Handel gebracht werden, deren Herkunft nachweislich entwaldungsfrei ist. Was das für FST bedeutet, erklärt Jens Trabert im Interview.

Die Europäische Union will die Umwandlung von Regenwald in landwirtschaftliche Flächen stoppen und damit Klima, Biodiversität und Menschenrechte schützen. Zu diesem Zweck hat sie die „European Union Deforestation Regulation (EUDR)“ verabschiedet. Sie verpflichtet Unternehmen nachzuweisen, dass bestimmte Rohstoffe und Produkte entwaldungsfrei sind. Das heißt, Waren und Produkte dürfen nur aus Gebieten stammen, die seit dem Stichtag 31. Dezember 2020 nicht gerodet wurden. Lieferanten müssen dies mit Geodaten belegen. Betroffen sind Rohstoffe wie Holz, Kaffee, Palmöl und – für Freudenberg Sealing Technologies (FST) von besonderer Bedeutung – Naturkautschuk. Wer keine Sorgfaltserklärung (Due-Diligence-Statement, DDS) für seine Produkte nachweisen kann, darf diese nicht mehr nach Europa einführen oder vertreiben. Bei Verstößen droht eine Strafe von bis zu vier Prozent des Umsatzes. Für FST bedeutet das: neue Daten, neue Prozesse und jede Menge Arbeit.


In Kraft treten sollte die Verordnung am 1. Januar 2026. Nun hat die EU das Startdatum kurzfristig um ein Jahr verschoben. Nachdem sich die Europäische Union im Trilog-Verfahren Anfang Dezember auf eine Verschiebung der Entwaldungsverordnung verständigt hatte, hat das EU-Parlament in seiner Sitzung am 17. Dezember den Weg auch formell freigemacht. Dies soll einen reibungslosen Übergang gewährleisten.


Die Verschiebung gibt Unternehmen mehr Zeit – doch für FST bedeutet das keineswegs Entspannung, wie Jens Trabert, Global Director of Sustainability, erzählt.

Herr Trabert, haben Sie erstmal aufgeatmet und sich entspannt zurückgelehnt, als Sie von der Verschiebung der European Union Deforestation Regulation erfuhren?
Ja und nein. Es nimmt etwas Druck raus, aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Denn die Prozesse sind komplex und die Anforderungen bleiben. Wir nutzen die zusätzliche Zeit, um Prozesse stabil aufzusetzen und alle Beteiligten zu schulen. Die Verschiebung ist kein Grund, langsamer zu werden – im Gegenteil: Wir wollen bestmöglich vorbereitet sein, bevor die Regelung greift.

Wie stark ist FST von ihr betroffen?
Tatsächlich sehr stark – auch wenn wir vergleichsweise wenig Naturkautschuk verarbeiten. Die Regelung betrifft einige tausend Artikel, darunter Kits und Multi-Komponenten, auch von den Divisionen Industrial Services und Corteco. Die Zolltarifnummern sind breit gefasst und gelten für Naturkautschuk, Kautschukmischungen, nicht vulkanisierten Kautschuk sowie für Dichtungen oder Gummi-Metall-Teile aus Weichkautschuk. FST verarbeitet aber zum größten Teil synthetische Elastomere, die auch in diese Zolltarifklasse fallen, jedoch nicht relevant für EUDR sind. Bisher ist die Negativbescheinigung bei der Einfuhr und Kommunikation zum Kunden sehr aufwendig.


Neben Naturkautschuk bezieht sich die EU-Regulierung auch auf andere von uns verwendete Rohstoffe: Holz, Papier und Palmöl. Holz und Papier nutzen wir beispielsweise für Verpackungen und Paletten, Palmölspray kommt teilweise in der Produktion zum Einsatz.


Was muss FST konkret tun, um Gesetzes-konform zu sein?
Zunächst müssen wir alle Importe und Exporte nach EUDR-relevanten Zolltarifnummern klassifizieren. Für betroffene Produkte brauchen wir von unseren Lieferanten sogenannte Due-Diligence-Statements (DDS). Diese bestätigen, dass die Waren entwaldungsfrei hergestellt wurden. Die Erklärung wird im EU-Informationssystem hochgeladen und mit einer DDS-Nummer versehen. Alternativ erhalten wir die Nummer direkt vom Lieferanten. Es geht dabei um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette. Somit ist die EU-Regelung auch viel mehr als ein reines Nachhaltigkeitsthema – sie ist ein Compliance-Faktor mit direkter Auswirkung auf die Lieferkette.
In einem zweiten Schritt müssen wir diese DDS-Nummern in unsere SAP-Stammdaten und Lieferkettenprozesse integrieren, damit unsere Waren nicht im Zoll hängen bleiben und wir Rückfragen der Kunden schnell beantworten können.

Das klingt nach einer großen Aufgabe. Wie gehen Sie vor?
Wir haben ein Expertenteam gebildet und arbeiten eng mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Einkauf, Materialentwicklung, Import/Export, Supply-Chain-Management, Vertrieb, Compliance sowie mit den Lead Centern zusammen. Denn FST kauft nicht alle Materialien zentral ein; die Lead Center bestellen auch selbst, was die Komplexität erhöht. Wir schulen, stellen Informationen bereit und haben eine detaillierte Roadmap, die unser weiteres Vorgehen beschreibt.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie dabei aktuell?
Es gibt einige technische Hürden und Unsicherheiten. So ist beispielsweise das EU-System für die Registrierung der DDS-Nummern noch nicht voll funktionsfähig – das war sicherlich mit ein Grund für die Verschiebung. Vieles ist aktuell im Fluss, darauf müssen wir flexibel reagieren. Weiterhin hat die Europäische Kommission bis Mai 2026 Zeit, eine Vereinfachung vorzuschlagen. Erst danach sind die eigentlichen Anforderungen klar und die Zeit bis Dezember 2026 ist wieder kurz.

Herzlichen Dank für die Interessanten Einblicke, Herr Trabert.

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